Menschenskinder! Das denkt sich auch die Kindergärtnerin in dieser kleinen Geschichte. Einem kleinen Jungen die Schuhe anzuziehen, kann nämlich ganz schön schwierig sein. Vor allem, wenn das Kind nicht bloß vorlaut ist, sondern noch allzu klug daher redet. Wie anstrengend und zugleich amüsant und schön die Arbeit und erst recht das Leben mit Kindern sein können, davon erzählt dieser kleine Leckerbissen. Dazu werden zwei Weisheiten gereicht, die zwar nicht von Kindern, aber großen Denkern klug gesagt und aufgeschrieben wurden.
Sie könnten unterschiedlicher kaum sein: Ein kleiner und sein großer Bruder begegnen in diesem chinesischen Märchen dem wundersamen Vogel Rokh. Beim Säen und Ernten von Hirse hat der Kleine sich trotz Betrugs des Bruders beweisen können. Vogel Rokh belohnt ihn reich für seine Arbeit. Voller Habsucht versucht der Große nun, es dem Kleinen gleich zu tun… Worin Genügsamkeit und Gier enden, zeigte Richard Wilhelm 1913 in seiner Übersetzung dieser zärtlichen wie eindrücklichen Geschichte. Und die schmeckt bei Kaffee und leckerem Gebäck am besten!
Alles beginnt mit der Liebe: Vor seiner Abreise aus der Stadt Orphalese tut der Prophet aus Khalil Gibrans gleichnamigem Werk ein letztes Mal seine Weisheit kund. Dass er seine 26 Reden mit jener über die Liebe eröffnet, ist klar. Denn schließlich ist sie der Grund allen Seins und Lebens. Ohne sie bleibt die Welt eine immer gleiche, in der Lachen nicht aus vollem Herzen kommt, Tränen nicht gänzlich vergossen werden und stets ein Stück des wahren Lebens auf der Strecke bleibt. Bis der Mensch sie endlich kostet, die schmerzlich-süße Liebe…